Mittwoch, 12. Juni 2013

SCHWEDISCHES PROTESTTHEATER

Meine Güte, das ist genau 40 Jahre her. Ich denke, es ist wichtig, jüngere Menschen an dem teilnehmen zu lassen, was damals möglich war und geschaffen wurde, bevor alles von der neo-liberalen und konservativen Walze plattgemacht wurde.  Das Pro- Theater hat sich recht lange halten können. Dann haben einige der Mitlgieder auch an anderen Projekten mitgearbeitet, etwa an dem 'Zeltprojekt', wo eine Gruppe ein altes Zirkuszelt erstanden hatte und mit der 'Geschichte des schwedischen Volkes' durch das ganze Land reiste, was ein sensationeller Erfolg war.

Gesendet am 2. Mai 1973, im NDR, Journal 3


Einar Schlereth

SCHWEDISCHES PROTESTTHEATER

Während in Deutschland wie gewöhnlich noch theoretische Diskussionen über Sinn, Funktionen- und Zielgruppen des Theaters stattfinden, ob neben, gegen oder für die breiten Schichten gespielt werden sollte und phantastische Mitbestimmungsmodelle entworfen werden, ist man in Schweden längst aus diesem Stadium heraus.

Sicherlich auch in Schweden wurde diskutiert, auch dort gab es wirklichkeitsfremde Träumereien, aber mit einem entscheidenden Unterschied. Man ließ der Theorie sehr bald die Praxis folgen, die dann wiederum der Theorie auf die Sprünge half. Bei diesem lebendigen Prozeß ging manche Illusion, manches theoretische und theatralische Windei sang-und klanglos über Bord, das hierzulande über Jahre hinweg die Gemüter zu verwirren vermag, nur weil sich niemand findet, der es mit der spitzen Nadel der Praxis zum Platzen bringt.