Freitag, 8. Februar 2013

Rätoromanerna i Schweiz

Dies ist die schwedische, bearbeitete Version. Die deutsche Berarbeitung ist inzwischen wiedergefunden und liegt hier unter der schwedischen. Ich habe den Artikel hierher gelegt, weil er Teil einer NDR-Serie über Minoritäten war.

Artikelförfattaren undersökte den speciella situationen för de 51 000 rätoromanerna i Schweiz, ett officiellt fyrspråkigt land. Den rätoromanska minoriteten brottas som många andra med fördomar, snåla insatser från staten och sin egen splittring.

Rätoromanerna i Schweiz

”Les ennemis les plus grandes des minorités sont les minorités.” (Minoriteternas största fiender är minoriteterna själva.)
Detta sade gamle pastorn Jakob Michael till mig i Sagogn i Främre Rhendalen. Och det stämde överens exakt med det intryck jag fått efter ett knappt dussintal intervjuer med rätoromaner på olika orter. Henny, till hälften rätoroman och uppvuxen i tysk miljö och chefen för det stösta rätoromanska förlaget i Disentis, uttryckte sig annorlunda:
Av EINAR SCHLERETH
”Om inte rätoromanerna kommer överens nu, då går förfallet ännu fortare.”
Varje utomstående som får veta att det finns totalt bara 51 000 rätoromaner som talar fem huvud- och skriftspråk som dessutom är fördelade mycket olika, kan bara med en suck instämma. Och trots allt måste varje utomstående som tränger lite djupare in i hela den här problematiken tillstå att det är mycket lättare sagt än gjort. Advokaten Ruedi Viletta var road av min rådlöshet.
Han menade att man måste kasta en blick tillbaka i historien för att till fullo förstå de problem som rätoromaner brottas med.
Räterna, ett blandfolk av ligurer, veneto-illyrer, kelter och etrusker bodde i området mellan Bodensjön och Comersjön och mellan passen S:t Gotthard och Brenner. Om urspråket vet man bara att det varken var etruskiska eller keltiska men besläktat med bägge språken.

DIE RÄTOROMANEN IN DER SCHWEIZ


NDR-Sendung 1992
von Einar Schlereth

MUSIK
Zitator: Les ennemis les plus grandes des minorités sont les minorités. Die größten Feinde der Minoritäten sind die Minoritäten.
Autor: Das sagte mir der alte Pastor Jakob Michael in dem idyllischen Sagogn, zu deutsch Sagens im Vorderrheintal. Und das entsprach genau dem Eindruck, den ich nach einem halben dutzend Interviews mit Rätoromanen an verschiedenen Orten hatte. Anders drückte es der Verlagschef Henny vom größten rätoromanischen Verlag in Disentis aus, ein halber Rätoromane, der aber in rein deutscher Umgebung aufgewachsen ist:
0-Ton: Wenn sich die Rätoromanen jetzt nicht einigen, dann geht natürlich der Zerfall noch rascher.
Autor: Jeder Außenstehende, der erfährt, daß es insgesamt nur 51 000 Rätoromanen gibt, die aber fünf Haupt - und Schriftsprachen sprechen, die wiederum sehr ungleichmäßig verteilt sind, kann diesem Stoßseufzer nur zustimmen. Und doch wird jeder Außenstehende, der sich etwas tiefer mit der ganzen Problematik beschäftigt, zugeben müssen, daß das viel leichter gesagt als getan ist. Rechtsanwalt Ruedi Viletta hatte eine geradezu diebische Freude an meiner Ratlosigkeit:
0-Ton: Ich sehe, daß ich sie richtig unsicher gemacht habe, das freut mich.
Autor: Ich glaube nicht, daß Unsicherheit der Sache dient, aber wenn Ruedi Viletta die Befürchtung hat, daß ich mit apodiktischen Urteilen um mich werfen möchte, so kann ich ihn beruhigen. Das beabsichtige ich keineswegs, sondern ich will nur versuchen, die Problematik der Rätoromanen so darzustellen, daß eben auch ein Außenstehender sie verstehen kann. Dazu muß man zuallererst einen Blick in die Geschichte werfen.
Zitator: Das Volk der Räter, eine Mischrasse von Liguriern, Veneto-Illyriern, Kelten und Etruskern, bewohnte das Gebiet zwischen Bodensee und Comersee, Gotthard und Brenner. Von der Ursprache der Rätoromanen weiß man nur, daß weder Etruskisch noch Keltisch, jedoch beiden Sprachen verwandt war.
Im Jahr 15 u.Z. erobern die Römer unter Drusus und Tiberius Rätien, um die Pässe in ihre Hand zu bekommen, über die ihre Verbindungeslinien nach Germanien liefen. Das Volkslatein breitet sich in Rätien aus und verbindet sich mit den bestehenden vorrömischen Sprachen, die durch lautliche Wandlungen und sprachliche Differenzierungen zu den heutigen rätoromanischen Sprachen geformt werden.
Autor: Eine mögliche Quelle der Verwirrung möchte ich gleich zu Anfang ausschalten. Es gibt auch noch rätoromanische Sprachen in Italien, und zwar das Ladinische in Süd-Tirol, das von ca. 20 000 Leuten gesprochen wird und das Friaulische, das nördlich und westlich von Triest von ca. 500 000 Menschen gesprochen wird. Das Friaulische wird bis heute offiziell überhaupt nicht zur Kenntnis genommen, während den Ladinern mittlerweile bestimmte Rechte zugestanden wurden. Beide Sprachen sind jedoch von den rätoromansichen Sprachen in der Schweiz so weit entfernt, daß man sich unmöglich verständigen kann, weshalb die Kontakte selten sind und höchstens offizielle Art.
Zitator: Gleich zu Beginn ihrer Eroberungen legten die Römer am Zusammenfluß von Vorder- und Hinterrhein ein Kastell an, woraus Chur wurde, die älteste Stadt der Schweiz. Bei ihrem weiteren Vorstoß nach Norden teilen die Römer dann Rätien in zwei Provinzen ein: Rätia prima mit Chur als Hauptstadt und Rätia Secunda, wozu Tirol und die bayrisch-schwäbische Hochebene gehörten. Im 5. Jahrhundert erobern die Bajuwaren die Rätia Secunda. Und bis zum 6. Jahrhundert sind beide Territorien romanisiert und christianisiert.
Doch ab Mitte des 6. Jahrhunderts beginnt mit dem Anschluß von Rätia prima an das Frankenreich die politische, wirtschaftliche und kulturelle Ausrichtung nach Norden, die bis heute andauert. Diese Tatsache wird durch die Abtrennung des Bistums Chur von Mailand und dem Anschluß an das Erzbistum Mainz unter Karl d. Gr. verstärkt, auch wenn der Mainzer Erzbischof dekretiert, daß der Gottesdienst in der lokalen Sprache gehalten werden muß.
Autor: Im 13. und 14. Jhrh. besiedeln die deutschsprachigen Walser aus dem Wallis die hochgelegenen und menschenleeren Gebiete Graubündens. Sie bilden bis heute Sprachinseln im rätoromanischen Gebiet, was die Sprachensituation zusätzlich verwirrt. Um dieselbe Zeit werden zur Sicherung der Unabhängigkeit und gegen Habsburg der Gotteshausbund, der Graue Bund und der Zehngerichtebund geschlossen und die Entwicklung zur Demokratie eingeleitet.
Im 15. Jhrh. kommt es zu einer Katastrophe, die langfristig gesehen der schwerste Schlag für die rätoromanische Sprache gewesen ist: Chur, die Hauptstadt Graubündens brennt fast vollständig nieder.
Zitator: Zum Wiederaufbau werden zahlreiche alemannische Handwerker herbeigezogen, die sich nach getaner Arbeit in Chur ansiedeln und Chur zu einer deutschen Stadt machen. Dadurch verliert Graubünden sein sprachlich-kulturelles Zentrum.
Autor: Durch die Reformation werden auch die Rätoromanen von Glaubenskämpfen erfaßt, und die verschiedenen Religionen wetteifern miteinander, Katechismen und Traktate in den verschiedenen Sprachen zu drucken. Da ist es wieder: Die verschiedenen Sprachen. Das bedarf nun doch jetzt schon der Erläuterung. Dazu muß man sich die geographische und topographische Situation Graubündens vergegenwärtigen. Dieser größte Kanton der Schweiz besteht aus 150 Tälern, deren größte vom Vorderrhein, dem Hinterrhein und dem Inn gebildet werden, und die jeweils auf drei Seiten von sehr hohen Bergen eingeschlossen werden. Die Kommunikation zur Außenwelt erfolgte daher in der Regel auf der offenen Seite, d.h. entweder nach Norden oder nach Süden, zumal jahrtausendelang die Berge für die Menschen furchteinflößend waren.
Zitator: In Graubünden entwickelten sich fünf Hauptsprachen, die auch schriftlich niedergelegt wurden: Im Vorderrheintal das Sursilvan, im Tal des Hinterrhein das Sutsilvan, auf der Linie Tiefencastel-Savognin das Surmiran, auf der Linie Davos-St. Moritz das Puter und im Unterengadin und im Münstertal das Vallader.
Autor: Damit nicht genug. Denn im Grunde ist es so, daß jedes Tal, ja jedes Dorf seine eigene Sprache, seinen eigenen Dialekt spricht - und eifersüchtig darüber wacht. Der Autor Werner Catrina hat in seinem Buch `Die Rätoromanen zwischen Resignation und Aufbruch' eine ganze Reihe hübscher Anekdoten angeführt:
Zitator: Anna Capadrutt zeigte sich bitter enttäuscht, als die in den 40-er Jahren geschaffene sutselvische Schriftsprache so wenige charakteristische Elemente der Mundart aus ihrem Dorf Präz enthielt. Unter dem Stichwort "Mutter" steht die Vokabel "mama", während man in Präz "moma" sagt. Und weil ihre im Präzer Dialekt verfaßten Artikel von der Zeitung "La Punt" immer korrigiert werden, arbeitet sie nur noch "fürs Radio. Da kann niemand an meiner Sprache rumkorrigieren."
Autor: Oder ein anderes Beispiel:
Zitator: Frag' Domenica.
Autor: Nein, nein, es wird nicht jugendgefährdend.
Zitator: `Dumanda a Domenica' ist fast ein geflügeltes Wort im Oberengadin. Domenica ist der rettende Ausweg, der immer dann beschritten wird, wenn Einheimische mit ihrem Puter Probleme haben. Sie ist die sprachliche Autorität im gefährdeten Gebiet von St. Moritz. Eine Fanatikerin nennen sie die einen, während andere ihren Namen fast erfurchtsvoll aussprechen.
Autor: Viele Beispiele ließen sich für die wunderliche Weise anführen, mit der sich Rätoromanen abgrenzen, nicht gegenüber dem übermächtigen Deutschen, sondern gegenüber dem nächsten Dorf und dem Nachbartal und die übrigen vier Hauptsprachen. Doch kehren wir erst noch einmal zur Geschichte zurück. Wir sahen, wie durch die Glaubenskämpfe mehrere Schriftsprachen entstanden. Der Gegensatz zwischen altem und neuem Glauben machte jahrhundertelang jede Zusammenarbeit unmöglich.
Zitator: Im 17. Jhrh. wird Graubünden in den Dreißigjährigen Krieg hineingezogen, wobei das Land mehrmals sowohl von französischen als auch österreichischen Truppen verwüstet wird. Jörg Jenatsch, dem von Conrad Ferdinand Meyer ein literarisches Denkmal gesetz wurde, gelang es, die Unabhängigkeit Graubündens wiederherzustellen. Zum vorläufig letzten Krieg in Graubünden kam es in der Napoleonischen Zeit. Besonders bestialisch wüteten wieder einmal die Österreicher, die alten Feinde aller freien Bauern in den Alpen.
Autor: Wie lebendig heute noch die Erinnerung an jene Zeit ist, zeigte sich, als ich von Ruedi Viletta in seinem wunderschönen Haus in Giarsun zu einem Interview mit den Worten empfangen wurde: Ja, die Österreicher hatten wohl keine Zeit mehr, bei ihrem Rückzug auch dieses Haus anzuzünden.
Zitator: 1799 werden die drei Bünde als Kanton Rätien Teil der Helvetischen Republik. Unter dem Namen Graubünden schließen sich die Rätoromanen 1814 definitiv der Eidgenossenschaft an.
MUSIK
Autor: Graubünden ist eine Landschaft der Superlative. Es ist der größte Kanton der Schweiz mit der geringsten Bevölkerungsdichte. Es beherbergt mit Chur sowohl die älteste Stadt der Schweiz, die auf eine 2000 Jahre alte Geschichte zurückblicken kann, als auch das höchstgelegene, ganzjährig bewohnte Dorf Europas: Juf in 2126 m Höhe. In seinen Grenzen wachsen Edelweiß, Zirbelkiefer und - Palmen. Und im Dorf Zillis gibt es eine romanische Kirche mit der ältesten figürlich bemalten Holzdecke der abendländischen Kunst von 1160.
Doch vor allem ist Graubünden eben eine bezaubernde, ungemein kontrastreiche und alte Kultur-Landschaft. Was diese Kulturlandschaft von anderen unterscheidet, das ist nicht die Landwirtschaft, die ja unter ähnlichen Bedingungen ähnlich funktioniert, sondern vor allem die Architektur. Das Engadinerhaus etwa wird von Kulturhistorikern als die originellste architektonische Schöpfung Graubündens bezeichnet. Ihre wuchtigen Häuser, die Wohnteil und Stallungen unter einem Dach bergen, erinnern am ehesten an die Häuser eines anderen Bergvolkes, nämlich die Basken. Tonio Walz schreibt in einem Bericht mit dem Titel "Bauernpaläste":
Zitator: Die Engadiner Dörfer sind romanische Siedlungen - dicht gedrängt, geschlossen und geprägt vom romanischen Charakterzug zur Gemeinsamkeit, Geselligkeit. Keinem Engadiner Bauern wäre es früher eingefallen, auf einem Einzelhof außerhalb des Dorfes zu leben.
Autor: Doch auch hier hat der sogenannte Fortschritt gravierende Veränderungen hervorgerufen. Werner Catrina bemerkt dazu:
Zitator: Die sgrafittogeschmückten "Bauernpaläste" eignen sich schlecht für die moderne Landwirtschaft. In den Sulčr, den Gang, welcher durch das Hausportal zum Heuboden führt, passen weder Traktor noch Ladewagen. Weil die Häuser zum Schutz gegen eisige Winterkälte Mauer an Mauer stehen, läßt sich meist auch kein anderes Tor herausbrechen. Wer heute rationell wirtschaften will, muß einen Stall am Dorfrand bauen oder einen neuen Hof am Dorfrand bauen, weit weg vom Ortskern. Was sein Vorfahre nie getan hätte, ist für den modernen Bergbauern eine existentielle Notwendigkeit.
Autor: Neben der Architektur sind es die Menschen selbst und ihre Sprache, die einer Landschaft ihr Gepräge geben. Ich muß sagen, daß ich die von Herzen kommende Freundlichkeit der Romanen im Unterengadin als äußerst angenehm empfunden habe und daß mir ihr Gruß `Allegra' - Freude - immer wie Musik in den Ohren klingt. Doch gerade ihre schöne, wohlklingende Sprache ist der Hebel, mit dessen Hilfe die Identität der Rätoromanen zerstört wird. Ihre winzige Minderheit von 51 000 Personen wird langsam, aber sicher zwischen den Mahlsteinen zweier großer Kultursprachen zerrieben - dem Schweizer Tüütsch im Norden einerseits mit seinem gewaltigen Hinterland Österreich und Deutschland und der italienischen Sprache im Südteil des Kantons mit Italien als Hinterland. In Chur traf ich im Gebäude der `Lia Romantscha' - der Zusammenschluß aller romanischen Sprachorganisationen - mit dem Linguisten Gian Peder Grigori zusammen, um mit ihm über dieses Problem der sprachlichen Erosion zu sprechen.
0-Ton: (54) Im Prinzip sind wir 2-sprachig, die Rätoromanen also jetzt. Also auch in einem Dorf, wo romanisch ganz klar die Mehrheit ist, wo das öffentliche Leben romanisch abläuft, ist der Kontakt der kleinen Kinder, z.B. über das Fernsehen, sehr früh hergestellt mit dem Deutschen. Das Fernsehen, als aggressives Medium hat sicherlich eine wesentliche Funktion - man hört z.B. kleine Kinder, die Werbespots auswendig können und die kommen natürlich deutsch, die gibt es auf romanisch nicht.
Wir haben 50 000 romanisch Sprechende, Muttersprach-Sprecher, d.h. Leute, die 1980 romanisch als Muttersprache angegeben haben. Und die sind natürlich verteilt - die leben nicht alle in Graubünden erstens, und nicht einmal alle im traditionellen Sprachgebiet, dort leben etwa 32000 Rätoromanen und der Rest lebt entweder im deutsch-sprachigen Teil Graubündens oder im Rest der Schweiz.
Autor: Wie sieht die Schulsituation aus?
0-Ton: Die Schulsituation ist natürlich entscheidend für das Überleben einer Sprache. In der Schweiz besteht ein sehr großer Föderalismus in Sachen Schule. Die Kantone haben die Schulhoheit und der Kanton delegiert weitere Aspekte der Schulhoheit nach unten. In Graubünden haben wir im Prinzip 3-4 Schulmodelle, je nach Sprachregion. Im Stammgebiet haben wir eine romanische Grundschule, d.h. die Kinder werden romanisch eingeschult. Also die ersten drei Jahre der Grundschule plus der Kindergarten, der vorausgeht, ist alles romanisch. Also auch im Oberengadin, wo die Kinder mehrheitlich deutsch oder italienisch sind, müssen die Kinder eine komplett romanische Grundschule besuchen. Und ohne einen Kindergarten, der hier sprachliche Vorarbeit leistet, wäre das nicht möglich. Ich muß dazu sagen, daß das funktioniert. Das Modell geht weiter. In der 4. Klasse setzt der Deutschunterricht ein. Zuerst als Sprachunterricht. Je weiter der Unterricht fortschreitet wächst die Quantität des Deutschunterrichtes und das Romanische nimmt ab. Das geht bis Ende der 6. Klasse. Dann ist bei uns ein Stufenwechsel in die Sekundarstufe und dort geht das Romanische noch weiter zurück und wird zum Fach plus ein Fach, Biologie, das in Romanisch vermittelt wird, der ganze Rest ist dann Deutsch.
In rein deutschen Gebieten haben wir den deutschen Schultypus, der dem Typus der Deutschschweiz entspricht. In den italienischen Gebieten haben wir eine italienische Schule, wo das Deutsche als Fremdsprachenunterricht in der 4. u. 5. Klasse einsetzt. Und dann kommt das Sprachmischgebiet, könnte man sagen, ein GEbiet, das ursprünglich rätoromanisch war, heute aber deutschsprachig ist. Diese Gemeinden sind laufend von einem romanischen System zu einem deutschsprachigen Schulsystem übergegangen. Und das liegt in der Kompetenz der Gemeinde. Die können mittels Abstimmung das Schulsystem wechseln.
Autor: Genau dies ist ein hartnäckig umstrittener Punkt. RA Ruedi Viletta hat sich mit dieser Frage in Wort und Schrift befaßt. Auf meine Frage, ob die Gemeinde das Schulsystem wechseln kann, meint er:
0-Ton: Wenn Sie mit `kann' eine rechtliche Situation erfragen möchten, dann muß ich nein sagen, wenn Sie aber sagen, sie tut es, dann muß ich ja sagen. Da gibt es einen Ideenstreit darüber. Ich habe darüber publiziert und ich vertrete die Meinung, daß das unrechtlich ist. Wenn eine Gemeinde, gestützt auf ihre sogenannte Autonomie, bestimmt über die Unterrichtsprache.
Autor: In der Schweiz gilt in der Sprachenfrage nicht das Personalprinzip, sondern das Territorialprinzip. D.h. jede Sprache besitzt ein fest umrissenes Stammgebiet, in dem die jeweilige Sprache sozusagen alleinherrschend ist. Ruedi Viletta erklärt mir anhand vieler Beispiele, daß dieses Prinzip, das gerade wieder vom Ständerat bekräftigt worden ist, für die deutsche, französische und italienische Sprache respektiert wird, aber gerade im Fall der rätoromanischen Sprache, die nach Aussage aller Experten in ihrem Bestand gefährdet ist, dauernd durchlöchert wird. Und dies, obwohl es einen berühmten Präzedenzfall samt höchstrichterlichem Beschluß gibt:
0-Ton: Da ging es z.B. um die französischsprachige Schule in Zürich, eine private Schule, mehr oder weniger ursprünglich Diplomatenkinder. Und um diese Schule zu führen, braucht es eine Bewilligung der Zürcher Behörden, und die Zürcher Behörden haben gesagt nein. Anwendung des Territorialitätsprinzipds: Zürich ist deutschsprachig, da gibt es keine französischsprachigen Schulen. Und ich unterstreiche, private Schulen! Das darf es einfach nicht geben. Und das Bundesgericht hat es geschützt und hat gesagt, die Zürcher Behörden haben Recht. Das ist das schweizerische Rechtssystem, die Staatsidee, die das vorschreibt. Und dieses Urteil des schweizerischen Bundesgerichtes bildete die Grundlage für die Schlichtung des belgischen Sprachenstreites 1968 vor dem Menschenrechtsgerichtshof. Und diese Idee des territorialen Schutzes der Sprache hat auch Eingang gefunden in alle entscheidenden Dokumente der Volksgruppen oder Minderheiten Europas.
Autor: Es ist schon merkwürdig, daß die Schweizer, die sich so viel auf ihre Vielsprachigkeit zugutehalen, die auch bei allen Umfragen große Sympathien für das Rätoromanische bekunden, in der Praxis ihre vierte Landessprache derart stiefmütterlich behandeln. Aber vielleicht ist es doch nicht so merkwürdig, wenn man bedenkt, daß gute Worte halt nichts kosten, während man für die Umsetzung der Gleichberechtigung viele Franken springen lassen müßte, und da werden die Schweizer halt ungemütlich. Das sieht auch Viletta als den springenden Punkt:
0-Ton: Natürlich kostet es. Es ist sehr viel einfacher (S. B. ca.650), wenn man nur eine Sprache zu verwanden hat, das ist selbstverständlich. Die Schulbücher, die Formulare nur in einer Sprache, alles nur einsprachig, das ist billiger.
Autor: Ruedi Viletta erzählt auch verschiedene Episoden aus seiner Zeit als Abgeordneter im Kantonsrat, die sehr unerquicklich sind, wie etwa der Auszug deutscher Abgeordneter, sobald er auf romanisch das Wort ergriff. Annette Pietsch, ein engagierte Romanin in Bern, drückt sich sehr deutlich aus:
0-Ton: Das Romanische wird in vielen Kreisen immer noch als etwas Rückständiges angeschaut. Es ist schon eine Diskriminierung der Bergbevölkerung.
Autor: Das Wort Diskriminierung möchte Gian Grigori nicht direkt benutzen. Er meint:
0-Ton: Die Diskrimierung ist nicht offensichtlich, sie ist ein bißchen versteckter. Der Druck auf die Minderheit ist nicht nur da, weil es eine Minderheit ist, sondern weil sie die Sprachlast trägt. Für mich ist es eine ganz typisch pragmatische Haltung, die da zum Vorschein kommt und die meiner Ansicht nach doch verwurzelt ist bei den Romanen. Weil sie schon lange 2-sprachig sind, entwickeln sie eine riesige Anpassungsbereitschaft.
Autor: Diese Anpassungsbereitschaft ist es auch, die den Rätoromanen von ihren eigenen Leuten immer wieder zum Vorwurf gemacht wird. Allerdings darf man nicht vergessen, daß dies das Resultat eines starken Anpassungsdrucks ist, der von der deutschsprachigen Bevölkerung ausgeübt wurde. Das schlug sich auch in Sprüchen nieder, wie etwa: Mit dem Rätoromanisch kannst du nicht einmal eine Kuh in der Stadt verkaufen. Und dieser Druck führte dann im vorigen Jahrhundert so weit, daß
Zitator: die Bündner Bauern ihre Kinder zu hunderten während der Schulferien nach Süddeutschland schickten, damit sie gut deutsch lernten.
Autor: Mit der Erschließung des Kantons für den Tourismus verstärkte sich der Druck auf die einheimische Bevölkerung, deutsch zu lernen, da das größte Kontingent der Touristen seit eh und je aus der deutschsprachigen Schweiz und Deutschland kam. Doch jedem Spanier, Franzosen oder Engländer käme die Idee absurd vor, deutsch zu lernen, nur weil ein paar Millionen Deutsche als Touristen ins Land kommen. Gewiß, aber an diesem Beispiel wird auch klar, daß es eine Frage der Quantität ist. Die Romanen sind halt insgesamt nicht mehr Menschen, als in irgendeiner europäischen kleinen Kleinstadt Platz finden.
Unter diesen Umständen wäre der Handlungsbedarf der Regierung umso größer gewesen. Eine bequeme Ausrede der Regierung und Behörden für ihre Untätigkeit war stets die Tatsache, daß es 5 romanische geschriebene Sprachen gibt und die Rätoromanen sich nicht auf eine einzige einigen konnten. Mittlerweile gibt es eine gemeinsame Schriftsprache und ich frage Gian Grigori, ob es sich hierbei um eine Art Esperanto handle:
0-Ton: (437) Innerhalb der Sprachplanung war ein Aspekt, man muß die Präsenz einer Sprache, um sie zu erhalten, im öffentlichen Leben erhöhen. Mit einer einheitlichen Schriftsprache.
Jetzt die Frage: Ist das ein Esperanto? Kurz ein paar Worte zur Konstruktion dieser Schriftsprache. Das Konzept ist entwickelt worden von einem Romanistikprofessor in Zürich, und er hat im Prinzip die beiden großen Schriftvarianten unter den 5, die wir haben, genommen, die stehen auch sprachlich am weitesten auseinander, hat die mittlere, die Brückenvariante aus dem Sutmiran genommen, und hat die verglichen und hat im Prinzip ein Mehrheitsprinzip entwickelt. Also das Romantsch Grischun ist so zusammengesetzt, daß man sie aus bestehendem Material formt, wie es am meisten gesprochen und geschrieben wird in den verschiedenen Idiomen. Wenn also in zwei Idiomen etwas so geschrieben wird und in einem weiteren anders, dann schreibt man im Romantsch Grischun so, wie es die zwei schreiben. Es ist eine konstruierte Sprache. Es ist aber keine Kunstsprache, weil sie zu 98 % auf bestehendem Materal fußt.
Autor: Auch wenn nun von Regierung, Post, Bahn etc. diese Sprache in starkem Maße verwendet wird, hält sich doch die Akzeptanz bei den Rätoromanen in Grenzen. Z.B. gibt es keine Schriftsteller, die sie benutzen. Für Verlagschef Henny in Disentis ist die Situation nach wie vor chaotisch:
0-Ton: Dann ist es einfach so, daß der normale Bürger aus dem Engadin, der rätoromanisch spricht, der liest kein Buch im oberländisch geschrieben.
Autor: D.h. alle Bücher in einem bestimmten Idion wenden sich nur an die Leute, die es auch sprechen. Und wie hoch sind die Auflagen?
0-Ton: Bei Gedichtbänden z.B. kann das variieren zwischen 500 bis etwa 1000. Dann bei Belletristik, da kommt's drauf an, was für ein Autor, und da schwanken die Zahlen von 1200 bis 2000, vielleicht einmal höchstens auf 2200 Expl. nur für Oberländerromanisch. (680)
Autor: Auch das eine oder andere Werk auf sutselvisch wird noch gedruckt, erscheint aber nicht im eigenen Verlag. Für die übrigen drei Sprachgruppen gibt es so gut wie keine Publikationen, weil sie definitiv zu klein sind. Zur aktuellen Situation der Sprache meint Herr Henny:
0-Ton: Die Situation, also wenn Sie mich fragen, sehe ich sie eher pessimistisch. Wenn man die ganze Entwicklung anschaut in Sachen Sprache in den einzelnen Gemeinden, so ist die Entwicklung in meinen Augen verheerend. Ich sehe nicht, daß man hier Einhalt gebieten kann, sondern die Entwicklung wird weitergehen. Ich glaube, daß wir so in 20 - 30 Jahren nicht mehr viele Gemeinden haben, die noch mehr oder weniger vollständig romanisch sprechen. Und nun kommt das noch dazu, daß die Rätoromanen sich nicht einigen können auf diese Schriftsprache, d.i. ich würde sagen, zum Teil ein beschämendes Kapitel, und die Fronten haben sich jetzt eher, in meinen Augen, nicht enthärtet, sondern eher verhärtet. Und wenn Sie mich fragen, dann ist das in meinen Augen die letzte Rettung. Wenn sich die Rätoromanen jetzt nicht einigen, auf diese Schriftsprache - wenn Sie die Entwicklung in Deutschland von früher her wissen, mit den verschiedenen Dialekten, die konnten sich auch auf eine Schriftsprache im Deutschen einigen, auch wenn es lang gedauert hat - wenn sie sich also nicht einigen können, dann geht natürlich der Zerfall noch rascher. Der Ball liegt eindeutig jetzt bei den Rätoromanen selbst.
Autor: Eine Einigung würde sich natürlich positiv auf den gesamten Medienbereich auswirken. Statt fünf Mini-Blättchen könnte eine Zeitschrift herauskommen, ein Projekt, an dem jahrelang schon vergebens gewerkelt wird. Im Rundfunk könnte die Präsenz wesentlich verstärkt werden, auch wenn sich dort in den vergangenen Jahren die Situation einigermaßen verbessert hat. Doch im Fernsehen ist der Anteil des Rätoromanischen immer noch verschwindend gering, obwohl man weiß, wie verheerend der Einfluß gerade auf die kleinen Kinder ist.
Ein wesentlicher Faktor bei der Erosion der Sprache ist auch die Landflucht und das bedeutet Flucht in die deutschen Städte, wo die Rätoromanen überdurchschnittlich häufig einen fremdsprachigen Ehepartner wählen. Als Grund für die Landflucht werden nicht nur bessere Berufsaussichten angegeben, sondern sehr häufig auch die geistige Enge ihrer Täler in religiöser, politischer und sozialer Hinsicht. Annette Pietsch schildert die Situation so:
0-Ton: Das ist ein Tal mit 1500 Einwohnern. Bis nach Chur hat man 200 km Paßfahrt mit dem Auto, mit dem öffentlichen Verkehrsmittel hast du 4 Stunden Fahrzeit, nicht. Die nächste Stadt ist im Süden, Meran, eine Stunde Auto. Und die Leute, was hat es, Intellektuelle hat es ein oder zwei Ärzte, ein Veterinär und einen Pfarrer und fertig. Ich möchte nicht mehr so leben.
Autor: Im Vorderrheintal kommt ein undurchdringlicher Filz von Christlicher Volks-Partei und katholischer Kirche hinzu - in Abgrenzung zu den Protestanten ringsumher - der vielen Rätoromanen "einen kalten Schauer über den Rücken jagt", so daß sie ihrer Heimat den Rücken kehren.
Im Fazit seines Buches schreibt Werner Catrina nach seinen über 300 Gesprächen mit Vertretern aller Volksschichten:
Zitator: Auffallend ist heute bei vielen ein geschärftes Bewußtsein für den Wert und die Bedeutung der Muttersprache. Es beginnt manchem Romanen aufzudämmern, daß es von jedem einzelnen, also auch von ihm selbst, abhängt, ob das Romanische lebt oder nicht. Erst wenn sich dieser tausendfältige Wille wirklich lebendig manifestiert, entsteht der nötige Druck, der die heute erfolrderlichen Lebensbedingungen für die Kleinsprache zu schaffen vermag. Unser politisches System bietet genügend Spielraum dafür.
Autor: Das klingt nicht besonders überzeugend. Ein Trost mag sein: Das Rätoromanische ist schon so oft totgesagt worden, daß es vielleicht auch diesmal alle pessimistischen Einschätzungen überdauern wird. Und vielleicht kehren ja die Rätoromanen auch zu dem Selbstbewußtsein zurück, womit sie z.B. 25 Jahre lang - von 1900 bis 1925 - dem Autoverkehr trotzten. Indem sie an dem Autoverbot wieder anknüpften, könnten sie neue Maßstäbe setzen und einen alternativen Tourismus ermöglichen, der nicht nur mehr Rücksicht auf die prekäre Lage der Natur nähme, sondern auch auf die prekäre Lage der rätoromanischen Sprache.
MUSIK

Globalisierung, Privateigentum und Konkurrenz


Friedrich Engels (1844)

Der Neoliberalismus ist eine Neuauflage des Liberalismus alter Prägung a la Adam Smith und teilt seine Grundannahme: Die Konkurrenz auf dem Markt ist die Quelle von Harmonie und Fortschritt. Die Wirklichkeit sah immer schon ganz anders
aus. Die Globalisierung der letzten Jahrzehnte ist jedoch ganz deutlich eine Verschärfung der Konkurrenz weltweit. Der Weltmarkt universalisiert das Spektakel von Angebot und Nachfrage mit allen Folgen und Nebenwirkungen. Der Gegensatz
zwischen mikroökonomischer und makroökonomischer Rationalität wird durch die globalisierte Konkurrenz auf die Spitze getrieben. Einige geniale Gedankenblitze, gewonnen zur Zeit der ersten Globalisierung, hat Friedrich Engels (1844) formuliert.


„Die Konkurrenz hat alle unsere Lebensverhältnisse durchdrungen und die gegenseitige Knechtschaft, in der die Menschen sich jetzt halten, vollendet“

 

Feindselige Interessenwidersprüche aufgrund der Konkurrenz Kauf und Verkauf: Dieser Handel muß unter der Herrschaft des Privateigentums, wie jede Tätigkeit, eine unmittelbare Erwerbsquelle für den Handeltreibenden werden; d.h. jeder muß
suchen, so teuer wie möglich zu verkaufen und so billig wie möglich zu kaufen. Bei jedem Kauf und Verkauf stehen sich also zwei Menschen mit absolut entgegengesetzten Interessen gegenüber; der Konflikt ist entschieden feindselig, denn jeder kennt die Intentionen des andern, weiß, daß sie den seinigen
entgegengesetzt sind. Die erste Folge ist also auf der einen Seite gegenseitiges Mißtrauen, auf der andern die Rechtfertigung dieses Mißtrauens, die Anwendung unsittlicher Mittel zur Durchsetzung eines unsittlichen Zwecks. So ist z.B. der erste
Grundsatz im Handel die Verschwiegenheit, Verheimlichung alles dessen, was den Wert des fraglichen Artikels herabsetzen könnte. Die Konsequenz daraus: Es ist im Handel erlaubt, von der Unkenntnis, von dem Vertrauen der Gegenpartei den
möglichst großen Nutzen zu ziehen, und ebenso, seiner Ware Eigenschaften anzurühmen, die sie nicht besitzt. Mit einem Worte, der Handel ist der legale Betrug. Daß die Praxis mit dieser Theorie übereinstimmt, kann mir jeder Kaufmann, wenn er der Wahrheit die Ehre geben will, bezeugen….

Nix da Harmonie

…Wir haben gesehen, daß am Ende alles auf die Konkurrenz hinausläuft, solange das Privateigentum besteht. Sie ist die Hauptkategorie des Ökonomen, seine liebste Tochter, die er in einem fort hätschelt und liebkost - und gebt acht, was für ein
Medusengesicht da herauskommen wird.

Die nächste Folge des Privateigentums war die Spaltung der Produktion in zwei entgegengesetzte Seiten, die natürliche und die menschliche; den Boden, der ohne die Befruchtung des  Menschen tot und steril ist, und die menschliche Tätigkeit,
deren erste Bedingun g eben der Boden ist. Wir sahen ferner, wie sich die menschliche Tätigkeit wieder in die Arbeit und das Kapital auflöste und wie diese Seiten sich wieder feindselig gegenübertraten.

Wir hatten also schon den Kampf der drei Elemente gegeneinander, anstatt der gegenseitigen Unterstützung der drei; jetzt kommt noch dazu, daß das Privateigentum die Zersplitterung jedes dieser Elemente mit sich bringt. Ein
Grundstück steht dem andern, ein Kapital dem andern, eine Arbeitskraft der andern gegenüber. Mit andern Worten: Weil das Privateigentum jeden auf seine eigne rohe Einzelheit isoliert und weil jeder dennoch dasselbe Interesse hat wie sein Nachbar, so steht ein Grundbesitzer dem andern, ein Kapitalist dem andern, ein Arbeiter dem andern feindselig gegenüber. In dieser Verfeindung der gleichen Interessen eben um ihrer Gleichheit willen ist die Unsittlichkeit des bisherigen Zustandes
der Menschheit vollendet; und diese Vollendung ist die Konkurrenz…

Konkurrenz und Monopol

Der Gegensatz der Konkurrenz ist das Monopol. Das Monopol war das Feldgeschrei der Merkantilisten, die Konkurrenz der Schlachtruf der liberalen Ökonomen. Es ist leicht einzusehen, daß dieser Gegensatz wieder ein durchaus hohler ist. Jeder
Konkurrierende muß wünschen, das Monopol zu haben, mag er Arbeiter, Kapitalist oder Grundbesitzer sein. Jede kleinere Gesamtheit von Konkurrenten muß wünschen, das Monopol für sich gegen alle andern zu haben. Die Konkurrenz beruht auf dem Interesse, und das Interesse erzeugt wieder das Monopol; kurz, die Konkurrenz geht in das Monopol über. Auf der andern Seite kann das Monopol den Strom der Konkurrenz nicht aufhalten, ja es erzeugt die Konkurrenz selbst, wie z.B.
ein Einfuhrverbot oder hohe Zölle die Konkurrenz des Schmuggelns geradezu erzeugen. Der Widerspruch der Konkurrenz ist ganz derselbe wie der des Privateigentums selbst. Es liegt im Interesse jedes einzelnen, alles zu besitzen, aber im Interesse der Gesamtheit, daß jeder gleich viel besitze.

So ist also das allgemeine und individuelle Interesse diametral entgegengesetzt. Der Widerspruch der Konkurrenz ist, daß jeder sich das Monopol wünschen muß, während die Gesamtheit als solche durch das Monopol verlieren und es also
entfernen muß. Ja, die Konkurrenz setzt das Monopol schon voraus, nämlich das Monopol des Eigentums - und hier tritt wieder die Heuchelei der Liberalen an den Tag - und solange das Monopol des Eigentums besteht, solange ist das Eigentum
des Monopols gleichberechtigt; denn auch das einmal gegebene Monopol ist Eigentum. Welche jämmerliche Halbheit ist es also, die kleinen Monopole anzugreifen und das Grundmonopol bestehen zu lassen. Und wenn wir hierzu noch den früher erwähnten Satz des Ökonomen ziehen, daß nichts Wert hat, was nicht monopolisiert werden kann, daß also nichts, was nicht diese Monopolisierung zuläßt, in diesen Kampf der Konkurrenz eintreten kann, so ist unsere Behauptung, daß die Konkurrenz das Monopol voraussetzt, vollkommen gerechtfertigt.
 
Angebot und Nachfrage, bewusstloser Zustand

Das Gesetz der Konkurrenz ist, daß Nachfrage und Zufuhr sich stets und ebendeshalb nie ergänzen. Die beiden Seiten sind wieder auseinander gerissen und in den schroffen Gegensatz verwandelt. Die Zufuhr ist immer gleich hinter der Nachfrage,
aber kommt nie dazu, sie genau zu decken; sie ist entweder zu groß oder zu klein, nie der Nachfrage entsprechend, weil in diesem bewußtlosen Zustande der Menschheit kein Mensch weiß, wie groß diese oder jene ist. Ist die Nachfrage größer
als die Zufuhr, so steigt der Preis, und dadurch wird die Zufuhr gleichsam irritiert; sowie sie sich im Markte zeigt, fallen die Preise, und wenn sie größer wird als jene, so wird der Fall der Preise so bedeutend, daß die Nachfrage dadurch wieder
aufgereizt wird. So geht es in einem fort, nie ein gesunder Zustand, sondern eine stete Abwechslung von Irritation und Erschlaffung, die allen Fortschritt ausschließt, ein ewiges Schwanken, ohne je zum Ziel zu kommen. Dies Gesetz mit seiner steten Ausgleichung, wo, was hier verloren, dort wieder gewonnen wird, findet der Ökonom wunderschön. Es ist sein Hauptruhm, er kann sich nicht satt daran sehen und betrachtet es unter allen möglichen und unmöglichen Verhältnissen. Und doch liegt auf der Hand, daß dies Gesetz ein reines Naturgesetz, kein Gesetz des Geistes ist. Ein Gesetz, das die Revolution erzeugt.

Zersplitterte Atome

Der Ökonom kommt mit seiner schönen Theorie von Nachfrage und Zufuhr heran, beweist euch, daß »nie zuviel produziert werden kann«, und die Praxis antwortet mit den Handelskrisen, die so regelmäßig wiederkehren wie die Kometen und deren wir jetzt durchschnittlich alle fünf bis sieben Jahre eine haben. Diese Handelskrisen sind seit achtzig Jahren ebenso regelmäßig gekommen wie früher die großen Seuchen - und haben mehr Elend, mehr Unsittlichkeit mit sich gebracht als
diese (vgl. Wade, »Hist[ory] ot the Middle and Working Classes«, London 1835, p. 211). Natürlich bestätigen diese Handelsrevolutionen das Gesetz, sie bestätigen es im
vollsten Maße, aber in einer andern Weise, als der Ökonom uns glauben machen möchte. Was soll man von einem Gesetz denken, das sich nur durch periodische Revolutionen durchsetzen kann? Es ist eben ein Naturgesetz, das auf der Bewußtlosigkeit der Beteiligten beruht. Wüßten die Produzenten als solche, wieviel
die Konsumenten bedürften, organisierten sie die Produktion, verteilten sie sie unter sich, so wäre die Schwankung der Konkurrenz und ihre Neigung zur Krisis unmöglich. Produziert mit Bewußtsein, als Menschen, nicht als zersplitterte Atome
ohne Gattungsbewußtsein, und ihr seid über alle diese künstlichen und unhaltbaren Gegensätze hinaus. Solange ihr aber fortfahrt, auf die jetzige unbewußte, gedankenlose, der Herrschaft des Zufalls überlassene Art zu produzieren, solange
bleiben die Handelskrisen; und jede folgende muß universeller, also schlimmer werden als die vorhergehende, muß eine größere Menge kleiner Kapitalisten verarmen und die Anzahl der bloß von der Arbeit lebenden Klasse in steigendem
Verhältnisse vermehren - also die Masse der zu beschäftigenden Arbeit, das Hauptproblem unserer Ökonomen, zusehends vergrößern und endlich eine soziale Revolution herbeiführen, wie sie sich die Schulweisheit der Ökonomen nicht träumen läßt.

Fairer Handel?

Die ewige Schwankung der Preise, wie sie durch das Konkurrenzverhältnis geschaffen wird, entzieht dem Handel vollends die letzte Spur von Sittlichkeit. Von Wert ist keine Rede mehr; dasselbe System, das auf den Wert soviel Gewicht zu legen scheint, das der Abstraktion des Wertes im Gelde die Ehre einer besondern Existenz gibt - dies selbe System zerstört durch die Konkurrenz allen inhärenten Wert und verändert das Wertverhältnis aller Dinge gegeneinander täglich und stündlich.

Wo bleibt in diesem Strudel die Möglichkeit eines auf sittlicher Grundlage beruhenden Austausches? In diesem fortwährenden Auf und Ab muß jeder suchen, den günstigsten Augenblick zum Kauf und Verkauf zu treffen, jeder muß Spekulant werden, d.h. ernten, wo er nicht gesäet hat, durch den Verlust anderer sich bereichern, auf das Unglück andrer kalkulieren oder den Zufall für sich gewinnen
lassen. Der Spekulant rechnet immer auf Unglücksfälle, besonders auf Mißernten, er benutzt alles, wie z.B. seinerzeit den Brand von New York, und der Kulminationspunkt der Unsittlichkeit ist die Börsenspekulation in Fonds, wodurch
die  Geschichte und in ihr die Menschheit zum Mittel herabgesetzt wird, um die Habgier des kalkulierenden oder hasardierenden Spekulanten zu befriedigen. Und möge sich der ehrliche, »solide« Kaufmann nicht pharisäisch über das Börsenspiel erheben - ich danke dir Gott usw. Er ist so schlimm wie die Fondsspekulanten, er spekuliert ebensosehr wie sie, er muß es, die Konkurrenz zwingt ihn dazu, und sein Handel impliziert also dieselbe Unsittlichkeit wie der ihrige.

Fieberhitze

Der Kampf von Kapital gegen Kapital, Arbeit gegen Arbeit, Boden gegen Boden treibt die Produktion in eine Fieberhitze hinein, in der sie alle natürlichen und vernünftigen Verhältnisse auf den Kopf stellt. Kein Kapital kann die Konkurrenz des
andern aushalten, wenn es nicht auf die höchste Stufe der Tätigkeit gebracht wird. Kein Grundstück kann mit Nutzen bebaut werden, wenn es nicht seine Produktionskraft stets steigert.

Kein Arbeiter kann sich gegen seine Konkurrenten halten, wenn er nicht seine ganzen Kräfte der Arbeit widmet. Überhaupt keiner, der sich in den Kampf der Konkurrenz einläßt, kann ihn ohne die höchste Anstrengung seiner Kräfte, ohne
die Aufgebung aller wahrhaft menschlichen Zwecke aushalten.

Die Folge von dieser Überspannung auf der einen Seite ist notwendig Erschlaffung auf der andern. Wenn die Schwankung der Konkurrenz gering ist, wenn Nachfrage und Zufuhr, Konsumtion und Produktion sich beinahe gleich sind, so muß in der Entwicklung der Produktion eine Stufe eintreten, in der so viel überzählige Produktionskraft vorhanden ist, daß die große Masse der Nation nichts zu leben hat; daß die Leute vor lauter Überfluß verhungern. In dieser wahnsinnigen Stellung,
in dieser lebendigen Absurdität befindet sich England schon seit geraumer Zeit. Schwankt die Produktion stärker, wie sie es infolge eines solchen Zustandes notwendig tut, so tritt die Abwechslung von Blüte und Krisis, Überproduktion und
Stockung ein.

Die der Menschheit zu Gebote stehende Produktionskraft ist unermeßlich. Die Ertragsfähigkeit des Bodens ist durch die Anwendung von Kapital, Arbeit und Wissenschaft ins Unendliche zu steigern. Das »übervölkerte« Großbritannien kann nach der Berechnung der tüchtigsten Ökonomen und Statistiker (vgl. Alisons »Principle of population«, Bd. 1, Cap. 1 et 2) in zehn Jahren dahin gebracht werden, daß es Korn genug für das Sechsfache seiner jetzigen Bevölkerung produziert. Das Kapital steigert sich täglich; die Arbeitskraft wächst mit der Bevölkerung, und die Wissenschaft unterwirft den Menschen die Naturkraft täglich mehr und mehr. Diese
unermeßliche Produktionsfähigkeit, mit Bewußtsein und im Interesse aller gehandhabt, würde die der Menschheit zufallende Arbeit bald auf ein Minimum verringern; der Konkurrenz überlassen, tut sie dasselbe, aber innerhalb des
Gegensatzes. Ein Teil des Landes wird aufs beste kultiviert, während ein andrer - in Großbritannien und Irland 30 Millionen Acres gutes Land - wüst daliegt. Ein Teil des Kapitals zirkuliert mit ungeheurer Schnelligkeit, ein andrer liegt tot im Kasten.

Ein Teil der Arbeiter arbeitet vierzehn, sechzehn Stunden des Tages, während ein anderer faul und untätig dasteht und verhungert. Oder die Verteilung tritt aus dieser Gleichzeitigkeit heraus: Heute geht der Handel gut, die Nachfrage ist sehr
bedeutend, da arbeitet alles, das Kapital wird mit wunderbarer Schnelligkeit umgeschlagen, der Ackerbau blüht, die Arbeiter arbeiten sich krank - morgen tritt eine Stockung ein, der Ackerbau lohnt nicht der Mühe, ganze Strecken Landes bleiben unbebaut, das Kapital erstarrt mitten im Flusse, die Arbeiter haben keine Beschäftigung, und das ganze Land laboriert an überflüssigem Reichtum und überflüssiger Bevölkerung. 

Gegenseitige Knechtschaft

Die Konkurrenz hat alle unsre Lebensverhältnisse durchdrungen und die gegenseitige Knechtschaft, in der die Menschen sich jetzt halten, vollendet. Die Konkurrenz ist die große Triebfeder, die unsre alt und schlaff werdende soziale
Ordnung, oder vielmehr Unordnung, immer wieder zur Tätigkeit aufstachelt, aber bei jeder neuen Anstrengung auch einen Teil der sinkenden Kräfte verzehrt. Die Konkurrenz beherrscht den numerischen Fortschritt der Menschheit, sie beherrscht auch ihren sittlichen. Wer mit der Statistik des Verbrechens sich etwas bekannt gemacht hat, dem muß die eigentümliche Regelmäßigkeit aufgefallen sein, mit der das Verbrechen alljährlich fortschreitet, mit der gewisse Ursachen gewisse Verbrechen erzeugen. (…) Mir kommt es hier bloß darauf an, die Ausdehnung der Konkurrenz auch auf das moralische Gebiet nachzuweisen und zu zeigen, zu welcher tiefen Degradation das Privateigentum den Menschen gebracht hat.

Wissenschaft gegen die Arbeit

In dem Kampfe von Kapital und Boden gegen die Arbeit haben die beiden ersten Elemente noch einen besonderen Vorteil vor der Arbeit voraus - die Hülfe der Wissenschaft, denn auch diese ist unter den jetzigen Verhältnissen gegen die Arbeit
gerichtet.... Die letzte große Erfindung in der Baumwollspinnerei, die Selfacting Mule, wurde ganz allein durch die Frage nach Arbeit und den steigenden Lohn veranlaßt - sie verdoppelte die Maschinenarbeit und beschränkte dadurch die Handarbeit auf die Hälfte, warf die Hälfte der Arbeiter außer Beschäftigung
und drückte dadurch den Lohn der andern auf die Hälfte herab; sie vernichtete eine Verschwörung der Arbeiter gegen die Fabrikanten und zerstörte den letzten Rest von Kraft, mit dem die Arbeit noch den ungleichen Kampf gegen das Kapital ausgehalten hatte (vgl. Dr. Ure, »Philosophy of Manufactures «,Bd. 2). Der Ökonom sagt nun zwar, daß im Endresultate die Maschinerie günstig für die Arbeiter sei, indem sie die Produktion billiger mache und dadurch einen neuen größeren
Markt für ihre Produkte schaffe und so zuletzt die außer Arbeit gesetzten Arbeiter doch wieder beschäftige. Ganz richtig; aber vergißt der Ökonom denn hier, daß die Erzeugung der Arbeitskraft durch die Konkurrenz reguliert wird, daß die Arbeitskraft stets auf die Mittel der Beschäftigung drückt, daß also, wenn diese Vorteile eintreten sollen, bereits wieder eine Überzahl von Konkurrenten für Arbeit darauf wartet und dadurch diesen Vorteil illusorisch machen wird, während der
Nachteil, die plötzliche Wegnahme der Subsistenzmittel für die eine und der Fall des Lohns für die andere Hälfte der Arbeiter, nicht illusorisch ist? Vergißt der Ökonom, daß der Fortschritt der Erfindung nie stockt, daß also dieser Nachteil sich verewigt?
Vergißt er, daß bei der durch unsere Zivilisation so unendlich gesteigerten Teilung der Arbeit ein Arbeiter nur dann leben kann, wenn er an dieser bestimmten Maschine für diese bestimmte kleinliche Arbeit verwendet werden kann? daß der
Übergang von einer Beschäftigung zu einer andern, neuern, für den erwachsenen Arbeiter fast immer eine entschiedene Unmöglichkeit ist?...
 
Soziale Polarisierung durch Konkurrenz

(...) Die Konkurrenz setzt also Kapital gegen Kapital, Arbeit gegen Arbeit, Grundbesitz gegen Grundbesitz, und ebenso jedes dieser Elemente gegen die beiden andern. Im Kampf siegt der Stärkere, und wir werden, um das Resultat dieses Kampfes vorauszusagen, die Stärke der Kämpfenden zu untersuchen haben. Zuerst sind Grundbesitzer und Kapital jedes stärker als die Arbeit, denn der Arbeiter muß arbeiten, um zu leben, während der Grundbesitzer von seinen Renten und der
Kapitalist von seinen Zinsen, im Notfalle von seinem Kapital oder dem kapitalisierten Grundbesitz leben kann.

Die Folge davon ist, daß der Arbeit nur das Allernotdürftigste, die nackten Subsistenzmittel zufallen, während der größte Teil der Produkte sich zwischen dem Kapital und dem Grundbesitz verteilt. Der stärkere Arbeiter treibt ferner den
schwächeren, das größere Kapital das geringere, der größere Grundbesitz den
kleinen aus dem Markt. Die Praxis bestätigt diesen Schluß.

Die Vorteile, die der größere Fabrikant und Kaufmann über den kleinen, der große Grundbesitzer über den Besitzer eines einzigen Morgens hat, sind bekannt. Die Folge hiervon ist, daß schon unter gewöhnlichen Verhältnissen das große Kapital und der große Grundbesitz das kleine Kapital und den kleinen Grundbesitz nach dem Recht des Stärkeren verschlingen - die Zentralisation des Besitzes, in Handels- und
Agrikulturkrisen geht diese Zentralisation viel rascher vor sich. - Großer Besitz
vermehrt sich überhaupt viel rascher als kleiner, weil von dem Ertrag ein viel geringerer Teil als Ausgaben des Besitzes in Abzug kommt. Diese Zentralisation des Besitzes ist ein dem Privateigentum ebenso immanentes Gesetz wie alle andern; die
Mittelklassen müssen immer mehr verschwinden, bis die Welt in Millionäre und Paupers, in große Grundbesitzer und arme Taglöhner geteilt ist. Alle Gesetze, alle Teilung des Grundbesitzes, alle etwaige Zersplitterung des Kapitals hilft nichts - dies Resultat muß kommen und wird kommen, wenn nicht eine totale Umgestaltung der sozialen Verhältnisse, eine Verschmelzung der entgegengesetzten Interessen, eine
Aufhebung des Privateigentums ihm zuvorkommt.

Alternative

Die Wahrheit des Konkurrenzverhältnisses ist das Verhältnis der Konsumtionskraft zur Produktionskraft. In einem der Menschheit würdigen Zustande wird es keine andre Konkurrenz als diese geben. Die Gemeinde wird zu berechnen haben,
was sie mit den ihr zu Gebote stehenden Mitteln erzeugen kann, und nach dem Verhältnis dieser Produktionskraft zur Masse der Konsumenten bestimmen, inwieweit sie die Produktion zu steigern oder nachzulassen, inwieweit sie dem Luxus nachzugeben oder ihn zu beschränken hat. Um aber über dies Verhältnis
und die von einem vernünftigen Zustande der Gemeinde zu erwartende Steigerung der Produktionskraft richtig zu urteilen, mögen meine Leser die Schriften der englischen Sozialisten und zum Teil auch Fouriers vergleichen. Die subjektive
Konkurrenz, der Wettstreit von Kapital gegen Kapital, Arbeit gegen Arbeit usw., wird sich unter diesen Umständen auf den in der menschlichen Natur begründeten und bis jetzt nur von Fourier erträglich entwickelten Wetteifer reduzieren, der nach der Aufhebung der entgegengesetzten Interessen auf seine eigentümliche und vernünftige Sphäre beschränkt wird.


[Auszüge aus: Engels: Umrisse zu einer Kritik der
Nationalökonomie, Marx-Engels Werke Berlin, Bd. 1, S. 511
ff.)]